/* Curriculum vitae Home Fonts Anleitungen Gästebuch Impressum Fonts 2 Downloads Literatur 1955... Es war noch kalt draußen, damals im März. Ich wollte, so hat man mir erzählt, eigentlich gar nicht raus aus diesem warmen, weichen Universum, in das ich da hineingeraten war. Eine Zange hat mich dann doch ergriffen und mich ziemlich unsanft in das Neonlicht einer Altonaer Klinik gezogen. Die Welt, in die ich da geraten war, war noch deutlich gezeichnet von einem Ereignis, das, so schien es mir, Ewigkeiten vor meiner Zeit lag. Niemand sprach darüber. Überall sah man noch Ruinen und gegenüber dem väterlichen Doppelunternehmen, bestehend aus Schrottplatz und Möbelgeschäft mit eigener Schreinerei und Polsterei war eine mir endlos erscheinende Sandwüste, von der regelmäßig wahre Sandstürme herüber wehten. Es war interessant, damals, auf dem Schrottplatz, denn es gab die seltsamsten Dinge dort zu bewundern. Aber manchmal roch es doch unangenehm, denn damals konnte man selbst mit Kartoffelschalen und Knochen noch Geld verdienen. Durch das Eisen-Sprossenfenster blickte manchmal das Pferd des Nachbarn in das kleine "Bureau" mit Kanonenofen und Volksempfänger. Dolfie hieß das Pferd, welches auch in einer Schmiede auf dem Hinterhof unseres Wohnblocks beschlagen wurde. Überhaupt sah man noch oft Pferde in der Stadt. In der Straße, in der ich aufwuchs gab es insgesamt 8 Kneipen. Diese wurden von 4 verschiedenen Brauereien noch mit Pferdewagen beliefert. Für mich waren das gewaltig riesige Tiere. Aber selbst die Bierkühlung lief damals noch anders: Wöchentlich kam der Eismann und lieferte Stangeneis. Mit einem Handhaken hielt er die meterlange Stange aus glitzerndem Eis, welches er auf einem Leder auf der Schulter balancierte. "Elektrische Kühlung ist der Tod für das Bier - das geht immer an und aus, da geht das Bier kaputt von, Nur mit Eis gekühlt schmeckt das Bier wirklich" So der Kneipenwirt aus der Kellerkneipe gegenüber dem Möbelgeschäft meiner Eltern.
Überhaupt war es eine Zeit der Gerüche: Auf dem Hinterhof gab es eine Fettschmelze, welche übelste Gerüche nach ranzigem Schmalz und Verwesung in die Luft abgab, auch die Gerüche nach verbrannten Pferdehufen, welche von der Schmiede herüber wehten bissen in der Nase. Aber es gab auch angenehme Gerüche. der Duft von Malz aus der Brauerei, der würzige Rauch aus den Fischräuchereien am Hafen und auch der zarte, ungewöhnliche Geruch, wenn die ersten Regentropfen auf den von der Sonne erwärmten Betonboden des Schrottplatzes verdampften... Irgendwie bringt mich das immer zurück in diese Zeit, wenn ich das irgendwo rieche.
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